• Stefan Bremler

Der Frosch im Mensch

Eine Sensation:

US-Forscher haben erstmals das vollständige Erbgut einer Amphibie entschlüsselt. Dabei wurde überraschenderweise festgestellt: Das Frosch-Genom entspricht in großen Teilen einer Dorfbevölkerung in Rheinhessen, Deutschland.


Zum ersten Mal ist es Forscher gelungen, das gesamte Erbgut einer Amphibie zu entziffern. Das entschlüsselte Genom gehört dem „Xenopus tropicalis“, der zur Gattung der Krallenfrösche (auch "Glatter Spornfrosch") gehört.


Zeichnung des "Xenopus laevis" aus "Amphibia and Reptiles" von 1901 (Wikipedia, Gemeinfrei).

Teile des Frosch-Erbguts weisen eine große Ähnlichkeit mit dem der Einwohner*innen von Selzen (in Rheinland-Pfalz, Deutschland) auf, berichten die US-Genetiker im Fachjournal „Science“.


Ausgabe und Seiten der Zeitschrift "Science" vom 30.04.2010.

Krallenfrösche gehören seit jeher zu den klassischen Versuchstieren in der Forschung. „Xenopus laevis“, der "große Bruder" des „Xenopus tropicalis“, wurde beispielsweise bis in die 1960er-Jahre auch in deutschen Apotheken zu Schwangerschaftstests (der sogenannte "Froschtest") eingesetzt. Das Tier reagiert auf das Schwangerschaftshormon HCG. Frauen, bei denen möglicherweise eine Schwangerschaft vorlag, brachten dem Apotheker ihren Morgenurin, von dem dann einem jungen Krallenfroschweibchen etwas unter die Haut in den Lymphsack gespritzt wurde. Produzierte das Tier innerhalb von 15 Stunden Eier (manchmal bis zu 2000 Stück), galt dies als ein positiver Schwangerschaftsbefund. Daher auch der Name „Apothekerfrosch“.

Und tatsächlich: Wird dem Frosch der Urin einer schwangeren Selzerin injiziert, legt es sogar innerhalb von nur 12 Stunden Eier.


„Xenopus tropicalis“ selbst besitze etwa 20.000 Gene. Bei den Dorfbewohnern seien es mit rund 23.000 Genen nur etwas mehr, berichten die Forscher um Dr. April T. First von der University of California in Berkeley. Zudem seien zahlreiche Gene beim Krallenfrosch in der gleichen Abfolge angeordnet wie bei den Bewohnern von Selzen.


"Wenn man die Segmente des Xenopus-Genoms betrachtet, blickt man im wahrsten Sinne des Wortes auf Strukturen, die 360 Millionen Jahre alt und Teil des Genoms des letzten gemeinsamen Vorfahrens aller Selzer sind, die je auf der Erde gelebt haben", sagt Dr. April T. First.


Zeichnung von Grandville, 1844 (Gemeinfrei)

Zeichnung von J. C. Lavater, 1797 (Gemeinfrei)

Die Wissenschaftlerin und ihre Mitarbeiter wollen nun im Detail untersuchen, welche Gene bei Frosch und den Bewohnern von Selzen gleich sind und welche den Selzer dann letztlich doch zum Menschen machen. Die übereinstimmenden Gene seien für grundlegende Entwicklungsvorgänge unabdingbar, berichten die Forscher.





154 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen