• Stefan Bremler

Wer den Pfennig nicht ehrt ...

Aktualisiert: 13. Jan.

Gruß aus dem dreißigjährigen Krieg - Die Geschichte eines spektakulären Fundes, von dem in Selzen (fast) nichts bekannt ist.


Diese Geschichte führt uns weit in die Selzer Vergangenheit zurück, in etwa in die Zeit um 1630. Der dreißigjährige Krieg (1618-1648) tobt in Deutschland und der linksrheinischen Pfalz. Der Kampf der Konfessionen und Mächte bringt ständig neue Heere, Soldaten und Söldner in die Region. Alle leben von dem, was sie vor Ort vorfinden. Dörfer werden geplündert, Häuser niedergebrannt und Menschen ihrer Ernte, Besitztümer und Leben beraubt.


Pieter Snayers: Die Plünderung eines Dorfes.

Ein vorausschauender Selzer Bürger, wahrscheinlich ein recht wohlhabender Kaufmann, sorgte jedoch zeitig vor. Er versteckte sein staatliches Vermögen.


Leider wissen wir nicht, wer er war, noch wo und wann er sein Geld versteckte. Vor allem nicht, welches traurige Schicksal ihn später ereilte.

Denn sein Schatz, vermutlich in einem Münzgefäß vergraben, befindet sich über zweihundert Jahre später noch immer in seinem Versteck.

Erst um 1863 wird das Geld gefunden. Von wem? Auch darüber gibt es keine Informationen mehr. Der uns also unbekannte Glückliche findet in dem Versteck über 5.000 (!) Münzen.


Es handelte sich um sogenannte Schüsselpfennige (oder Hohlmünzen), also einseitig geprägte Münzen aus einem dünnen Metallblech (meist Silber oder Kupfer), welche durch die Prägung eine leicht gewölbte Schüsselform erhalten haben. Sie waren von Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert fast im gesamten deutschsprachigen Raum die vorherrschende regionale Münzsorte.


Die wenigen Details, die wir kennen, stammen von dem damals bekannten Münzsammler J. Isenbeck und seinen Hinweisen in der Sammler-Zeitschrift „Blätter für Münzfreunde“ vom 01.01.1888 und den folgende drei Ausgaben. Dieser berichtete:

„Während vieler Jahre stand in Mainz, in der Nähe der Schiffsbrücke bei dem Antiquar Herrn Kirch eine große Schale, gefüllt mit Schüsselpfennigen, die aus einem ums Jahr 1863 in Selzen bei Mainz gemachten Fund stammten. Leider habe ich den ganzen Fund, der aus 5-6000 solchen Münzen bestanden haben soll, nicht beisammen gesehen; Die Stücke, welche ich draus bekommen, sind meist gut erhalten“. ¹

Titel der Zeitung, ab der es in mehreren Ausgaben um den Selzer Münzfund ging.

Beginn der Auflistung aller noch beim Antiquar Kirch vorgefundenen Münzen.

Auch wenn wir nichts von dem ehemaligen Besitzer der Münzen wissen, können uns diese doch einiges erzählen. Der dem Fund jüngste beiliegende Pfennig wurde wohl um 1625 geprägt. Daher dürften das Silber in den darauf folgenden Jahren versteckt worden sein.


Die beim Antiquar Kirch vorgefundenen Münzen tragen unter anderem die Insignien von Baden-Baden, Bern, Cöln, Constanz, Darmstadt, Erfurt, Frankfurt a. M., Freiburg, Fulda, Hanau, Heidelberg, Kempten, Leiningen, Mainz, Nürnberg, Osnabrück, Paderborn, Saarbrücken, St. Gallen, Zweibrücken, Speyer, Strassburg, Trier und Worms.

Das spricht dafür, dass der ursprüngliche Besitzer von Reisenden bezahlt wurde oder selbst fahrender Kaufmann war.


Eine der genannten Münzen wird viel später erneut erwähnt. In einem Auktionskatalog von 2013 wird eine Münze angeboten, die - so ein Hinweis - auch in Selzen gefunden wurde. Darauf ein „mit Schindeln belegtes Wappen mit zwei übereinander laufenden Leoparden zwischen zwei Kugelkreuzen“.

Der Bieter-Startpreis für diese eine Münze? 300 Euro ! ²

Mal nachrechen ... 5000 Münzen mal 300 € ... o.k., ... nicht übel.


Aber ... ein Hinweis für diejenigen, die jetzt mit dem Spaten in den Garten rennen wollen. Ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörde keine Schatzsuche. Ein Fund muß zudem sofort gemeldet werden. Wer alles richtig macht, hat Anspruch auf eine Belohnung. Aber die wäre bei einem ähnlichen gearteten Fund auch nicht von schlechten Eltern.




Quellen:

¹ Vgl.: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB): Signatur33.4.389-5/6.1881/88. Zeitschrift "Blätter für Münzfreunde". Band 6, No. 147 von 1888, Seite 1378 ff.

² Vgl.: Westfälische Auktionsgesellschaft für Münzen und ... . Katalog58.pdf, 2012, Seite 12. https://www.yumpu.com/de/document/read/12598093/katalog58pdf-westfalische-auktionsgesellschaft-fur-munzen-und-




210 Ansichten1 Kommentar

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen